Fragen zur Waldorfpädagogik

In dieser Rubrik möchte ich auf Fragen zur Waldorfpädagogik antworten. Es sind die Fragen, welche mir immer wieder von interessierten Eltern gestellt worden sind. Ich habe versucht, sie nach Themen zu ordnen. Alle Antworten geben meine persönliche Sichtweise wieder.

Was sind die vier unteren Sinne?

Mit den vier unteren Sinnen, sind nach Rudolf Steiner Tast-, Lebens-, Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinn des Menschen gemeint.

Diese vier Leibessinne wenden sich in ihren Wahrnehmungen ganz dem eigenen Körper und den eigenen Lebensprozessen zu. Sie bilden damit die Grundlage für das Selbstvertrauen, -beherrschen, -empfinden und -erleben. Letztenendes haben sehr viele Lernschwächen und psychosomatische Krankheiten ihren Ursprung in der schlechten Ausbildung der vier unteren Sinne. Nur durch ihre Grundlage kann der Mensch die Erkenntnissinne ausbilden. Mehr zur Sinneslehre

Was nützt eigentlich das Freispiel?

Das freie Spielen am Anfang des Tages bis zum Frühstück ist für unsere Kinder ein ganz wichtiger Teil in unserem Tageslauf. Es ist vom Gesichtspunkt der Entwicklung unserer Kinder zu wirklich charakterstarken Persönlichkeiten im Erwachsenenalter vielleicht sogar der wichtigste Teil. Denn die Möglichkeit, entsprechend der eigenen Individualität zu Lernen und damit Fähigkeiten durch sich selbst zu entwickeln, - frei von Wünschen und Zielen der Erwachsenen - haben unsere Kinder fast nur noch im morgendlichen Freispiel. Hier können sie wirklich Kind sein.

Einen wunderbaren Ausspruch dazu las ich bei H. Hahn: "Spielen ist nicht Zeitvertreib; wahres Spiel ist Zeiterfüllung." - Es mag sich vielleicht zunächst so darstellen, als wäre das Freispiel eine Art Wartezeit, die dem "eigentlichen" Beginn der pädagogischen Arbeit vorausginge - oder die eben stattfindet, wenn kein Unterricht ist. Aber gerade für unsere Schulkinder ist hier ein Raum geschaffen worden - ein Spielraum - in dem sie wirklich selbständig tätig werden können.

Das freie Spiel ist für die Kinder die Voraussetzung, um später in der Schule lernen zu können. Ich denke mir, daß Sie sicherlich schon oft ihre Kinder bei einem nicht angeleiteten Spiel beobachtet haben. (Vielleicht auch bei uns draußen auf der Wiese.) Sie haben vielleicht gesehen, wie ernsthaft und - für uns Erwachsene fast schon ermüdend - sich die Kinder mit einzelnen Gegenständen aus ihrer Umgebung beschäftigen. Hier im freien Spiel wird Ausdauer und die gerade heute so wichtige Konzentrationsfähigkeit erlernt! Darum ist mir die Zeit des Freispiels so wichtig.

Ich stelle mir vor, daß viele Schwierigkeiten, welche später in der Unter- und Mittelstufe als "Lernstörungen" diagnostiziert werden, durch zu wenig Spiel - also zu wenig Selbsterfahrung des Kindes - verursacht sind.

Was ist Waldorfspielzeug?

Was ist der Reigen im Waldorfkindergarten?

Lesen Sie dazu meinen Aufsatz "Der Reigen im Waldorfkindergarten".

Dürfen Waldorfpädagogen Fleisch essen?

Ja. Es gibt keine Richtlinien oder Verbote, die sich auf den allgemeinen Lebensstil beziehen. Waldorfpädagogen "dürfen" auch Rauchen, Alkohol trinken usw. Es gibt vielfältige Hinweise und Anmerkungen Steiners, über die Wirkungsweise von Fleisch, Nikotin, Kaffee und Alkohol - aber es obliegt immer der eigenen freien Entscheidung, sich diese Anregungen zu Eigen zu machen.

Wie gehen wir mit Ängsten der Kinder um?

Kinder im Kindergartenalter - also bis zu einem Alter von etwa 7 Jahren - sind viel zu jung, um auch nur ansatzweise bewerten zu können, wie gefährlich ein Anschlag, ein Unglück oder ein Unfall für uns Menschen ist. Trotzdem sprechen sie fast täglich davon! Sie berichten sich gegenseitig was sie im Radio, von den Eltern oder anderen Menschen gehört haben. Und dann haben sie Angst. Kinder aus meiner Klasse hatten wochenlang Angst vor dem Wasser der Spree - denn sie wußten nicht, was das ist, und wie sie aussieht - die Vogelgrippe! Dann waren es die Strahlen von Fukushima und jetzt ist die Angst vor Gemüse wegen EHEC.

Solche Gefahren können Kinder nicht beurteilen, egal, wie viele Erklärungen sie bekommen. Aber sie können fühlen, was die Eltern bewegt. Unsere Kinder nehmen da den besorgten oder ängstlichen Eindruck von uns, den Eltern wahr.

Die Kinder fühlen sich also umgeben von den (berechtigten) Zukunftssorgen und Ängsten der Eltern. - Nun ist es bei Kindern in diesem Alter so, daß ein Erleben von diesen Gefühlen nicht die gleiche Wirkung hat, wie bei uns Erwachsenen. Die Kinder erleben diese viel intensiver, viel mehr bezogen auf den Körper. Sie haben dadurch nicht die Möglichkeit, in ausreichender Weise ihr Gesundheitsgefühl zu entwickeln. Zu diesem Gesundheits- oder Selbstgefühl kann man auch Lebenssinn sagen. Wenn Kinder ihren Lebenssinn nicht ungestört entwickeln können, dann heißt das ganz konkret, daß sie später gar kein richtiges Gefühl dafür bekommen werden, ob sie gerade krank sind und in welcher Verfassung ihr Organismus ist. Ein sicheres Gesundheitsgefühl zu entwickeln ist außerdem noch die Grundlage dafür, als Erwachsener etwas verstehen zu können, beispielsweise ein Argument des anderen Gesprächspartners.

Liebe Eltern, darum ist es mir so wichtig, daß wir für unsere Kinder etwas schaffen, was den auf sie einwirkenden Ängsten und Sorgen entgegenwirkt. Ich meine damit nicht, daß wir unsere Kinder belügen, oder ihnen nach dem Prinzip "es tut nicht weh" (obwohl es doch wehtut), eine friedvolle und gesunde Zeit vortäuschen. Die Kinder fühlen sowieso, wenn wir nicht die Wahrheit sagen. Und selbst wenn zu Hause im Beisein der Kinder überhaupt nicht von der momentanen Ereignissen sprechen, die uns bewegen, so haben die Kinder doch die Eindrücke der Sorgen von den sie umgebenden Erwachsenen.

Aber es gibt für uns Erwachsene die Möglichkeit, in uns den hoffnungsvollen Gedanken zu tragen, daß es vielleicht auch etwas Gutes bewirkt.

So haben wir sehr wohl die Möglichkeit, ohne die momentane Situation zu verleugnen, unseren Kindern etwas gegen die gefühlten Ängste zu geben.

Natürlich entspricht es nicht dem Alter unserer Kinder, ihnen den eben skizzierten Hoffnungsgedanken intellektuell zu erklären. Aber wir können ihnen diesen Gedanken wunderbar einfach fühlbar machen, zum Beispiel indem wir ihnen täglich - vielleicht vor dem Einschlafen - Märchen und Geschichten und Erlebnisse erzählen, die ein gutes Ende haben. Das Gute siegt immer! Es eignen sich da im Vorschulalter alle guten Märchen. Ich möchte da besonders meine Auswahl an Audios empfehlen, die kostenlos angehört werden können und natürlich die Märchenbücher auf meiner Märchen Seite.

Warum ist Fußball an der Waldorfschule verboten?

Das weiß ich auch nicht! Sicher gibt es auch heute noch Waldorfschulen, die in ihrer Hausordnung ein Fussball-Verbot aussprechen - aber mit Waldorfpädagogik hat das nichts zu tun.
Zu diesem Thema ist eine so gute und umfassende Recherche von Herrn Effenberg online, daß ich mir eigene Worte und Erklärungen sparen möchte.

Was feiern wir zu Ostern?

Eine ganz einfach Erklärung dafür fand ich einmal auf einem Werbeprospekt eines Einkaufzentrums: "Die Christenheit feiert zu Ostern die Auferstehung Jesu."

Tatsächlich! - dachte ich mir, so einfach ist das doch eigentlich. Wir feiern zu Ostern die Auferstehung Jesu: schließlich ist das ein Ereignis, was so großartig und einmalig ist, daß es gefeiert werden muß, auch wenn es nun schon etwa 2000 Jahre her ist. Im Evangelium kann man lesen:

"Und in der allerersten Morgenfrühe des ersten Tages der Woche kamen sie [Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome] an das Grab, als gerade die Sonne aufging. Und sie sprachen zueinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tor? Und als sie aufschauten, sahen sie, daß der Stein abgewälzt war. Und der Stein war sehr groß.

Und sie traten ein in das Grab. Da sahen sie auf der rechten Seite einen Jüngling sitzen, mit einem leuchtendweißen Gewand bekleidet. Und sie gerieten vor Erstaunen außer sich. Da sprach er zu ihnen: Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden und ist nicht hier." ("Das neue Testament" in der Übersetzung von Emil Bock: Markus 16)

Eigentlich eine beeindruckende Sache, und eigentlich so unkompliziert, daß sie in der Werbeauslage auf der ersten Seite stand. Die Frage ist nur: Glauben wir das (noch immer)?! Ist das nicht eher ein kindlicher Glaube wie etwa an den Osterhasen und an das Christkind? Das war mir die Frage. Vielleicht wenigstens ein bißchen für unsere Kinder? Weil es so schön ist?

Im Prinzip können Tote nicht "auferstehen" - davon geht man heute aus. Mit dem biologischen Tod beginnt ein irreversibler Zellverfall. Eine Wiederbelebung solcher Zellen kann wohl nur schwer stattfinden. Ich muß also davon ausgehen, daß die Evangelisten eine andere - zumindest nicht biologische - Auferstehung des Christus schildern. Und nur eine solche Auferstehung, an welcher sich die Naturwissenschaft nicht stößt, ist für mich auch glaubhaft. Also denke ich, daß die Auferstehung in einem Bereich stattgefunden hat, welcher von der Naturwissenschaft nicht berührt wird. Für diesen Gedanken sprechen die Evangelisten selbst: Christus wird dann nicht mehr als Mensch geschildert. Er erscheint fortan in verschiedenen Gestalten - vor allem bei Menschen, die ihn suchen. Vorstellbar ist also der auferstandene Christus als ein Wesen, welches hörbar, sichtbar und zumindest teilweise auch anfaßbar war. Auf jeden Fall konnte Christus deutlich wahrgenommen werden. Vielleicht war es so ähnlich wie man sich ein Engel denken kann und später wie eine besonders belebende (Glaubens)-Kraft im Menschen.

Mit meinem Blick auf eine vielleicht seelische Auferstehung - oder auf eine Auferstehung des Christus im Geiste, habe ich einen ersten Zipfel für ein eigenes Verständniss des Osterereignisses, womit ich mich als moderne Menschen ehrlich identifizieren kann.

Wie für alle anderen Jahreszeiten und Feste haben sich verschiedene regionale Bräuche und Traditionen mit Ostern verknüpft. Diese alte Bräuche können uns oft Impulse und Ideen dafür geben, wie wir den Grundgedanken eines christlichen Jahresfestes unseren Kindern erlebbar machen. Denn im Sinne unserer Pädagogik werden ihnen die Hintergründe eines Festes nicht in Erklärungen, sondern in nachahmbaren Erfahrungen und Erlebnissen nahe gebracht.

Das sicherlich auffälligste und allgemeinste Symbol der Osterzeit ist das Ei. Es ist das Sinnbild der ewigen Wiederkehr des Lebens. Wie auch bei einem Samenkorn ist es Hülle und Grundlage des neuen Lebenskeimes. Die Hülle des Eis wird zugunsten des neuen Lebens zerstört, wie sich auch der Samen ganz in die neue Pflanze hinein auflöst. So geben beide ein fast schon "anfaßbares" Bild für die Auferstehung. Auch wenn es heute unüblich ist, so erscheint das Ei als Symbol der Auferstehung erst zu Ostern. (Und nach dem Ostersonntag ist 40 Tage lang Osterzeit!)

Wenn also unsere Kinder zu Ostern Eier (und Süßigkeiten) suchen, dann kann dies ein erlebbares und einfaches Abbild vom Hintergrund des Osterfestes sein: Nämlich der Suche, auf welche wir Erwachsenen uns machen können, um zu einem Verständnis für die Auferstehung Jesu zu gelangen. Immerhin ist Ostern das wesentlichste Fest der Christenheit! Jede Gottesfeier der Christen beruft sich auf das Osterereignis, denn Ostern ist die Geburt und die Grundlage der christlichen Weltanschauung.

Was ist das Adventsgärtlein?

Das Adventsgärtlein oder Adventsgärtchen hat hier seine eigene Unterseite: Das Adventsgärtchen.


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