Neue Kinder für eine neue Zeit

Seit einigen Jahren gibt es aus Sicht der Pädagogik immer mehr Kinder, bei denen unsere herkömmliche Erziehungvorstellung vollständig versagt. Ich meine damit nicht die Kinder, die einfach nur frech oder schwer zu erziehen sind. Solche "ungezogenen" Kinder hat es schon immer gegeben und es gab auch zu allen Zeiten Feststellungen von Erwachsenen, daß die neue Generation viel schlimmer, respektloser und unverschämter sei.
Ich spreche hier von Kindern, über die sonst nicht so gerne berichtet wird: die neuen Kinder. Sie sind jetzt um die Zeitenwende 2012 auf die Welt gekommen, um uns aus der alten Zeit in eine neue Zeit des erwachten Bewußtseins zu begleiten. Neue Kinder haben in der Regel Lebensaufgaben, die sich auf eine Weiterentwicklung der gesamten Menschheit beziehen. Ihre Entwicklung und ihre Fähigkeiten können darum nur verstanden werden, wenn wir Pädagogen sie im Zusammenhang mit dem Zeitgeist sehen. Jede Betrachtung, die nur auf das Kind selbst schaut, muß scheitern. Es wird zum Beispiel nicht möglich sein, ein bestimmtes auffälliges Verhalten aus dem Umfeld des Kindes oder den Erziehungsabsichten der Eltern heraus zu begünden.
Durch die tägliche Überlastung der arbeitenden Pädagogen hat bisher eine inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema nur anfänglich stattgefunden. Dafür haben jedoch viele spirituellen Autoren - und solche, die sich dafür halten - eine Unzahl an Gedanken über neue Kinder veröffentlicht. Dadurch entsteht heute vielleicht der Eindruck, "neue Kinder" sei eine esoterische Erfindung, ähnlich den Weltuntergangsphantasien Ende des Jahres 2012. (Es ist auch gut so, daß so viel Spinnerei rund um die Zeitenwende und das erwachende Bewußtsein verbreitet wird, damit sind die wenigen wichtigen Gedanken zum Glück gut geschützt.) Die neuen Kinder sind jedoch keine Erfindung, sie sind wirklich da: in den Kindergärten und in den Schulen und ich möchte hier an dieser Stelle dazu meine lose Sammlung zum Thema "Bewußtseinserwachen" beginnen und jeden Leser dazu einladen, sich ergänzend, kritisch oder ermutigend zu äußern. Was ich schreibe fußt lediglich auf meinen rund 20 Jahren Berufserfahrung und der Inspiration durch Sabine Wolf und soll nicht eine Allgemeingültigkeit beanspruchen oder gar für die Waldorfpädagogik an sich sprechen.

Was ist neu an neuen Kindern?

Die Aufmerksamkeit
Nach alter pädagogischer Auffassung ist die Aufmerksamkeit neuer Kinder schlecht: die Aufmerksamkeitsspanne erscheint kurz, eine Konzentration auf Lerninhalte ist Glückssache und es ist sehr schwer, als Erwachsener die Aufmerksamkeit des Kindes zu gewinnen. Noch viel ärgerlicher ist aber, daß neue Kinder mit ihrem Verhalten gnadenlos die Aufmerksamkeit der Pädagogen verbrauchen, und am Ende die Gruppe oder Klasse zu wenig bekommt.
Aus meiner Sicht ist die Aufmerksamkeit neuer Kinder in der Tat nicht vergleichbar mit unseren Erfahrungen. Sie begründet sich aus einem erwachten Bewußtsein und dem entsprechenden Auftrag oder der Aufgabe des Kindes für die gesamte Menschheit. Neue Kinder erleben sich eng verbunden mit allen Menschen, Tieren, Pflanzen den Elementen und der geistigen Welt. Sie ahnen oder wissen um die Prinzipien der neuen Zeit. Es ist darum verständlich, daß sie eine andere Aufmerksamkeit haben müssen. Als kleines Beispiel sei das Prinzip der Verbundenheit genannt. Neuen Kindern ist ihre soziale Verbindung zu anderen Menschen in der Regel wesentlich wichtiger als der Lehrplan. Ihr Fokus ist auf der Gemeinschaft: auf dem Miteinander der Klassenkameraden, auf der intim-persönlichen Befindlichkeit des Lehrers, auf den Gefühlen in der Familie und im Freundeskreis. Wer hat wann was mit wem - im jugendlichen Alter ist nichts wichtiger als das Soziale Netzwerk natürlich mit der elektronischen Unterstützung. In Wirklichkeit ist das ein vollkommen richtiges und zutiefst menschliches Anliegen - es paßt nur nicht zusammen mit der Vorstellung, die Erwachsenen müßten dem Kind in der Mathestunde Mathe beibringen oder im Kreisspiel das Spielen im Kreis.
Es dürfte helfen, wenn wir uns als Pädagogen und Eltern bewußt machen, daß es unsere längst überholten Vorstellungen von Kindergarten, Schule, Unterricht und Erziehung sind, die da nicht mehr zur Aufmerksamkeit des Kindes passen. Selbst wir Pädagogen verschwenden unsere Aufmerksamkeit (wohl wissend, daß sie heute das kostbarste ist jeder Hinsicht ist) natürlich nicht auf etwas, was andere uns halt sagen, weil sie es sagen müssen - wegen des Lehrplans, wegen der Frühförderung, weil es schon immer so war... Ein schönes Beispiel ist unsere Aufmerksamkeit, die wir z.B. Staubsaugervertretern an der Wohnungstür schenken: gar keine, denn sie wollen in der Regel etwas, was uns nicht wichtig ist.
Neue Kinder werden darum noch mehr als ungezogene Kinder zu einer harten Forderung an uns Pädagogen, selbst lernend zu erziehen und selbstbewußt im vollen Umfang zu unterrichten. In der Regel lenken neue Kinder besonders dann die Aufmerksamkeit des Pädagogen auf sich, wenn der Lehr- und Erziehungswille des Erwachsenen zu schädlich für die Gemeinschaft ist. Sie opfern sich dann als "Blitzableiter" und dafür können wir zumindest in der Betrachtung von außen dankbar sein.

Die Nachahmungskräfte
Gerade im Kindergarten - aber auch in der Unterstufe - ist zu beobachten, daß die Nachahmungskräfte aller Kinder insgesamt schwächer werden. Nun sind diese aber Grundlage der Erziehung bis etwa in die Mitte des zweiten Jahrsiebts hinein. Mehr zu den Nachahmungskräften.
Natürlich schauen wir in der Regel mit der Sorge in die Zukunft: wie sollen die Kinder von uns also lernen?! Ich glaube, diese Sorge ist nur soweit begründet, als sie aus dem Mangel an gesunder Eigenbewegung entstanden ist. Hinzu kommt die von Kollegen regelmäßig praktizierte oberflächliche Wahrnehmung der Nachahmung. Nicht das äußere "Gleichtun" des Kindes ist die tatsächliche Nachahmung, sondern das "so sein, wie Du bist" - und das bezieht sich auf das Nachahmen der viel intensiveren seelischen Ebene.
Für neue Kinder schränkt sich das Feld des Nachahmungswürdigen mit steigendem Alter zusätzlich ein, denn sie helfen, eine neue Zeit zu erschaffen und es ist nicht ihr Interesse, in unsere Fußstapfen zu treten. Warum sollten sie etwas nachahmen, was bisher nicht gut gelaufen ist?
Ich kann aus meiner täglichen Erfahrung sagen, daß neue Kinder aus dynamischer und energetischer Sicht in der Regel ihre Eltern schon mit wenigen Lebensjahren beginnen mehr und mehr zu tragen. Sie übernehmen beispielsweise das Durchleben von Krankheiten für ihre Eltern, Großeltern und Familienmitglieder. Sie tragen Sorgen und Leiden ihrer Eltern (aus) und übernehmen für sich selbst teilweise vor Ende des ersten Jahrsiebts mehr Verantwortung für ihr Leben, als bei manchen Erwachsenen zu beobachten ist. Beispielsweise verschieben wir Erwachsenen aus Unkenntnis und Schwäche gerne unsere sozialen Mißstände in unser Umfeld und zeigen dort auf Schuld, Verursachung und Umstände. Es ist dann eben "die Gesellschaft", der Staat, die Krankenkasse oder die Kollegen. Neue Kinder wissen, daß sie nur mit dem in Resonanz sind, was sie selbst in sich tragen und suchen in der Regel die Verantwortung bei sich selbst. Wenn wir Pädagogen uns also fragen, was wir von neuen Kindern nachahmen können, dann sind die Nachahmungskräfte auch an der Stelle, wo sie hingehören.

Die Fähigkeiten
Ich will nicht überheblich sein und die Fähigkeiten, welche neue Kinder mitbringen könnten, tatsächlich einschätzen. Aber ich möchte ein paar Anhaltspunkte meiner Beobachtungen äußern. Entsprechend ihren ganz verschiedenen Aufgaben für die neue Zeit zeigen und die neuen Kinder eine große und sehr unterschiedliche Bandbreite an Fähigkeiten oder Eigenschaften. In der Vergangenheit sind im esoterischen Bereich verschiedene Klassifizierungen neuer Kinder vorgenommen worden und unterschiedlich benannt mit Indigokindern, Sternenkindern, Kristallkindern usw. Ich sehe es jedoch nicht im Bereich meiner Kompetenz, solche Kataloge aufzustellen.
Neue Kinder haben den Wunsch und Auftrag, alte und kranke Systeme aufzulösen - und in der Regel sind wir Erwachsenen es, die sich entscheiden können, ob das geschieht durch einen Sprengen der jeweiligen Grenzen oder ob das dadurch geschenen kann, daß wir Verwandlung zulassen - in allererster Linie uns selbst liebend, und dann demütig fragend, was da werden will.
Ich beobachte eine große Liebesfähigkeit neuer Kinder. Eine relativ uneingeschränkte Liebesfähigkeit zunächst für sich selbst. Ohne großen Zweifel, scheinbar ohne "schlechtes Gewissen" (an welches wir ja gerne appellieren) finden diese Kinder im wesentlichen alles richtig und vernünftig, was sie tun. Das kann zuweilen sehr überraschen, wenn solche Kinder in engelsunschuliger Haltung selbstbestimmt genau das tun, was soeben verboten wurde. Bei vorsichtigem Nachfragen wird regelmäßig deutlich, daß sie sehr wohl mitbekommen haben, daß sie etwas verbotenes getan haben. Ihr tiefes Bedauern mit großen Augen gilt jedoch dem fassungslosen Erwachsenen - nicht etwa dem eigenen Verhalten.
Neue Kinder haben meistens auch ein großes Interesse und Mitgefühl für die sie umgebenden Menschen ohne von ihnen abhängig zu sein. Sie wissen oft altersuntypisch viel über Sorgen und Nöte anderer. Wenn neue Kinder zu träumen scheinen, dann lohnt es sich, sie vorsichtig zu fragen, an was sie gerade denken. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß sie ganz oft mit ihrem Herzen für ihre Mitmenschen da sind.
Fraglos ist allen neuen Kindern auch eine hohe Sensibilität eigen. Das kann zu sehr individuellen "Vorsichtsmaßnahmen" führen, die sie brauchen. Beispielsweise wollen sie ganz von selbst kein Fleisch essen, meiden zu laute Geräusche, entziehen sich einem zu stark fordernden Willen anderer usw. Natürlich ist davon auszugehen, daß sie auch auf dem Feld der übersinnlichen Wahrnehmungen einen großen Vorsprung zu unseren Bemühungen als Erwachsene haben. Insbesondere das Wahrnehmen der Aura und der "Blick" in die nächste Zukunft sind mir aufgefallen. Das kann zu Irritationen im pädagogischen Alltag führen, wenn ein Kind beispielsweise auf Gedanken und nicht geäußerte Gefühle des Lehrers reagiert.
Als letztes möchte ich in der Hoffnung, der oberflächliche Leser hat sowieso nicht bis hierher durchgehalten, noch etwas als Fähigkeit nennen, was ich jetzt nur als Opferbereitschaft erkennen kann. Neue Kinder sind bereit, ihre Freiheit, ihre Gesundheit und leider auch ihr Erdenleben zu opfern, um ihren Mitmenschen die Möglichkeit zu geben, selbst etwas zu lernen und neue Fähigkeiten zu erlangen.

Warum ist die Arbeit mit neuen Kindern so wichtig?

Natürlich sind neue Kinder nicht wichtiger als "alte" und im pädagogischen Alltag auch nicht zu bevorzugen. Aber wir können sie dankbar als Vorboten der Zukunft ansehen und durch sie schon erahnen, in welche Richtung sich alle unsere Kinder mehr und mehr entwickeln werden. Was für eine wunderbare Gelegenheit, unsere tägliche Praxis zu aktualisieren! :-)

Märchen für neue Kinder

Ich freue mich über Beispiele aus dem echten Leben, weitere Gedanken, Ergänzungen und Kritik! Kontakt




Ihr Sebastian Knabe











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