Was feiern wir zu Ostern?

Eine ganz einfach Erklärung dafür fand ich einmal auf einem Werbeprospekt eines Einkaufzentrums: "Die Christenheit feiert zu Ostern die Auferstehung Jesu."

Tatsächlich! - dachte ich mir, so einfach ist das doch eigentlich. Wir feiern zu Ostern die Auferstehung Jesu: schließlich ist das ein Ereignis, was so großartig und einmalig ist, daß es gefeiert werden muß, auch wenn es nun schon etwa 2000 Jahre her ist. Im Evangelium kann man lesen:

"Und in der allerersten Morgenfrühe des ersten Tages der Woche kamen sie [Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome] an das Grab, als gerade die Sonne aufging. Und sie sprachen zueinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tor? Und als sie aufschauten, sahen sie, daß der Stein abgewälzt war. Und der Stein war sehr groß.

Und sie traten ein in das Grab. Da sahen sie auf der rechten Seite einen Jüngling sitzen, mit einem leuchtendweißen Gewand bekleidet. Und sie gerieten vor Erstaunen außer sich. Da sprach er zu ihnen: Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden und ist nicht hier." ("Das neue Testament" in der Übersetzung von Emil Bock: Markus 16)

Eigentlich eine beeindruckende Sache, und eigentlich so unkompliziert, daß sie in der Werbeauslage auf der ersten Seite stand. Die Frage ist nur: Glauben wir das (noch immer)?! Ist das nicht eher ein kindlicher Glaube wie etwa an den Osterhasen und an das Christkind? Das war mir die Frage. Vielleicht wenigstens ein bißchen für unsere Kinder? Weil es so schön ist?

Im Prinzip können Tote nicht "auferstehen" - davon geht man heute aus. Mit dem biologischen Tod beginnt ein irreversibler Zellverfall. Eine Wiederbelebung solcher Zellen kann wohl nur schwer stattfinden. Ich muß also davon ausgehen, daß die Evangelisten eine andere - zumindest nicht biologische - Auferstehung des Christus schildern. Und nur eine solche Auferstehung, an welcher sich die Naturwissenschaft nicht stößt, ist für mich auch glaubhaft. Also denke ich, daß die Auferstehung in einem Bereich stattgefunden hat, welcher von der Naturwissenschaft nicht berührt wird. Für diesen Gedanken sprechen die Evangelisten selbst: Christus wird dann nicht mehr als Mensch geschildert. Er erscheint fortan in verschiedenen Gestalten - vor allem bei Menschen, die ihn suchen. Vorstellbar ist also der auferstandene Christus als ein Wesen, welches hörbar, sichtbar und zumindest teilweise auch anfaßbar war. Auf jeden Fall konnte Christus deutlich wahrgenommen werden. Vielleicht war es so ähnlich wie man sich ein Engel denken kann und später wie eine besonders belebende (Glaubens)-Kraft im Menschen.

Mit meinem Blick auf eine vielleicht seelische Auferstehung - oder auf eine Auferstehung des Christus im Geiste, habe ich einen ersten Zipfel für ein eigenes Verständniss des Osterereignisses, womit ich mich als moderne Menschen ehrlich identifizieren kann.

Wie für alle anderen Jahreszeiten und Feste haben sich verschiedene regionale Bräuche und Traditionen mit Ostern verknüpft. Diese alte Bräuche können uns oft Impulse und Ideen dafür geben, wie wir den Grundgedanken eines christlichen Jahresfestes unseren Kindern erlebbar machen. Denn im Sinne unserer Pädagogik werden ihnen die Hintergründe eines Festes nicht in Erklärungen, sondern in nachahmbaren Erfahrungen und Erlebnissen nahe gebracht.

Das sicherlich auffälligste und allgemeinste Symbol der Osterzeit ist das Ei. Es ist das Sinnbild der ewigen Wiederkehr des Lebens. Wie auch bei einem Samenkorn ist es Hülle und Grundlage des neuen Lebenskeimes. Die Hülle des Eis wird zugunsten des neuen Lebens zerstört, wie sich auch der Samen ganz in die neue Pflanze hinein auflöst. So geben beide ein fast schon "anfaßbares" Bild für die Auferstehung. Auch wenn es heute unüblich ist, so erscheint das Ei als Symbol der Auferstehung erst zu Ostern. (Und nach dem Ostersonntag ist 40 Tage lang Osterzeit!)

Wenn also unsere Kinder zu Ostern Eier (und Süßigkeiten) suchen, dann kann dies ein erlebbares und einfaches Abbild vom Hintergrund des Osterfestes sein: Nämlich der Suche, auf welche wir Erwachsenen uns machen können, um zu einem Verständnis für die Auferstehung Jesu zu gelangen. Immerhin ist Ostern das wesentlichste Fest der Christenheit! Jede Gottesfeier der Christen beruft sich auf das Osterereignis, denn Ostern ist die Geburt und die Grundlage der christlichen Weltanschauung.

Sebastian Knabe.







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