Was nützt eigentlich das Freispiel?

Das freie Spielen am Anfang des Tages bis zum Frühstück ist für unsere Kinder ein ganz wichtiger Teil in unserem Tageslauf. Es ist vom Gesichtspunkt der Entwicklung unserer Kinder zu wirklich charakterstarken Persönlichkeiten im Erwachsenenalter vielleicht sogar der wichtigste Teil. Denn die Möglichkeit, entsprechend der eigenen Individualität zu Lernen und damit Fähigkeiten durch sich selbst zu entwickeln, - frei von Wünschen und Zielen der Erwachsenen - haben unsere Kinder fast nur noch im morgendlichen Freispiel. Hier können sie wirklich Kind sein.

Einen wunderbaren Ausspruch dazu las ich bei H. Hahn: "Spielen ist nicht Zeitvertreib; wahres Spiel ist Zeiterfüllung." - Es mag sich vielleicht zunächst so darstellen, als wäre das Freispiel eine Art Wartezeit, die dem "eigentlichen" Beginn der pädagogischen Arbeit vorausginge - oder die eben stattfindet, wenn kein Unterricht ist. Aber gerade für unsere Schulkinder ist hier ein Raum geschaffen worden - ein Spielraum - in dem sie wirklich selbständig tätig werden können.

Das freie Spiel ist für die Kinder die Voraussetzung, um später in der Schule lernen zu können. Ich denke mir, daß Sie sicherlich schon oft ihre Kinder bei einem nicht angeleiteten Spiel beobachtet haben. (Vielleicht auch bei uns draußen auf der Wiese.) Sie haben vielleicht gesehen, wie ernsthaft und - für uns Erwachsene fast schon ermüdend - sich die Kinder mit einzelnen Gegenständen aus ihrer Umgebung beschäftigen. Hier im freien Spiel wird Ausdauer und die gerade heute so wichtige Konzentrationsfähigkeit erlernt! Darum ist mir die Zeit des Freispiels so wichtig.

Ich stelle mir vor, daß viele Schwierigkeiten, welche später in der Unter- und Mittelstufe als "Lernstörungen" diagnostiziert werden, durch zu wenig Spiel - also zu wenig Selbsterfahrung des Kindes - verursacht sind.

Sebastian Knabe.

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