Unsere Sonnenklasse
Hauptseite
Bericht von V. Güngör
Ich heiße Veronika Güngör, komme aus Reinickendorf und unterstütze seit dem 01.01.06 Herrn Knabe täglich fünf Stunden in der Sonnenklasse. Ich habe selber vier Kinder, zwei Erwachsene und zwei jüngere Mädchen im Alter von 14 und 10 Jahren. Als Erzieherin habe ich in vielen Bereichen gearbeitet z.B. im Freizeitbereich auf einem Abenteuerspielplatz, in Jugendtreffpunkten, in Integrations-Kindertagesstätten und in einem Waldorfkindergarten.
Sehr gerne bin ich bei den Sonnenkindern, die voller Tatendrang, fast berstend vor Kraft dem Erwachsenen oft viel Geduld abverlangen. Für mich ist es die schönste Belohnung, wenn ich die Gruppe beim Freispiel auf unserer "Zirkuswiese" begleiten kann. Da gibt es die Mädchen, täglich Blumen rupfend, daraus ein köstliches Mal bereitend, versunken in tiefe Gespräche, selbstvergessen dem Spiel hingegeben. Dort arbeiten die starken Jungen mit Spaten, um den verborgenen Schatz zu finden - sie entdecken immer etwas Interessantes - oder sie möchten bis zum "unterirdischen Vulkan" gelangen. Drei Kinder sitzen schaukelnd in den Ästen des Haselstrauches, der ihr Haus darstellt oder einläd sich Kopf unter in eine Fledermaus zu verwandeln. Andere versuchen sich in Rollenspielen zum Thema Schule oder inszenieren eine Musikaufführung. Vor wenigen Tagen versuchten mehrere Jungen einen Baum zu erklimmen. Das war schwierig, da die untersten Äste zu hoch waren, um sie einfach zu erreichen. Hier ist der Erwachsene gefordert, indem er sich zurückhält mit Lösungsmöglichkeiten und Hilfeleistung. Zuerst beratschlagten die Kinder, wie sie hinauf gelangen könnten. Sie baten mich, sie hoch zu heben. Ich verneinte, wer es nicht schafft muss unten bleiben! Ein Kind hatte die Idee, die auf dem Gelände herumliegenden Ziegelsteine aufzustapeln. Also wurden sie herangeholt, an dem Baumstamm übereinander gelegt, um so den Abstand zum untersten Ast zu verringern. Mit Anstrengung konnte sich ein Kind hinaufziehen, die wackelnden Steine unter seinen Füßen stets erneut weg brechend, von unten durch seine Kameraden geschoben und unterstützt durch Ratschläge und angefeuert bis es auf dem Ast saß, konnte höher hinaufklettern und stolz die Aussicht genießen. Nun kam der Abstieg und der Junge mußte feststellen, dass der noch schwieriger war. Wo hatte ich beim hinaufklettern die Hände? Wie hatte ich die Füße gesetzt? Es konnte noch ein zweiter Junge auf den Baum gelangen, einer von den zarteren, dem ich beim absteigen helfen durfte.
Dann war die Energie der gesamten Gruppe verbraucht. Die übrigen 4 Kinder verzichteten auf das Klettern, hatten sie den Auf- und Abstieg von zweien Ihrer Kameraden doch tatkräftig unterstütz und dadurch ein Stück davon miterlebt! Diese intensive 20minütige Aktion beinhaltete viele Aspekte der pädagogischen Arbeit in der Elementarklasse, die durch die Anleitung des Erziehers gezielt gefördert werden. Hier entwickelte sich aber spontan im Freispiel eine Situation - ohne Zutun des Erwachsenen - und zeigte deshalb ihre besondere Qualität, weil sie von der Idee bis zum Gelingen im sozialen Miteinander alle Kinder gleichberechtigt forderte und einbezog.
Von der Idee/Ziel (Baum ersteigen) über die Wahl des Objektes (abschätzen welcher Baum ist geeignet), über die Planung der Durchführung (wie kommt man am besten ans Ziel), beinhaltend, abwägen, scheitern, Neuorientieren (wie könnte es noch gehen) bis zum (erfolgreichen) Abschluß waren in der Arbeit dieser kleinen Gruppe Prozesse enthalten, die ein Projekt (welches auch immer) durch "Teamarbeit" zum guten Erfolg führen können!
Ich wünsche allen Kindern Bedingungen zum Lernen und Wachsen, damit sie selbstbewusst ihre Kräfte richtig einschätzend und vertrauensvoll ihr Leben in die Hand nehmen können!
V. Güngör