Konzept für einen kleinen Waldorfkindergarten
Ich schrieb dieses Konzept für einen kleinen eingruppigen Waldorfkindergarten in Berlin. Gerne kann es als Anregung für die Konzeptionsarbeit in anderen Kindergärten dienen.
Für Konzepte größerer Einrichtung müßten sicher auch Aspekte der kollegialen Zusammenarbeit angesprochen werden.
Herzliche Grüße liebe Kollegen!
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1. Vorwort
Dieses Konzept soll unseren Kindergarten beschreiben. Es
macht sich zur Aufgabe dem bildsamen Wesen unserer Kinder gerecht zu
werden. Darum versteht es sich nicht als statische Ordnung, sondern als
Gedankensammlung, welche mit dem Fortlauf der Zeit weiterentwickelt
werden muß.
2. Über uns
2.1. Wer sind wir
[ kurze Beschreibung: Gründungsgeschichte des
Kindergartens / des Vereins, Namen, Jahreszahlen ]
2.2. Freie Trägerschaft
Die Trägerschaft des Kindergartens haben seine
Eltern im Sinne einer Selbstverwaltung. Sie sind dafür
organisiert im gemeinnützigen Verein [ vollständiger
Vereinsname.eV ] Der Verein ist Mitglied in der Internationalen
Vereinigung der Waldorfkindergärten sowie [
Dachverbände und Sonstiges.eV ]. Der Verein trifft sich
mindestens einmal jährlich zur Mitgliederversammlung. Seine
Organe sind der Vorstand, die Mitgliederversammlung und der
Beraterkreis. Der Elternverein ist für den Kindergarten nicht
nur eigenverantwortlich in der Verwaltung und Finanzierung
tätig, sondern die Eltern erarbeiten gemeinschaftlich mit viel
Engagement die Grundlage für die pädagogische Arbeit:
Sie pflegen die Räumlichkeiten und das Gelände.
Weiterhin helfen Sie durch verschiedene Ämter im
alltäglichen Ablauf und auch bei der Gestaltung der
Jahresfeste. Diese intensive Einbindung der Eltern schafft eine
persönliche Beziehung zu "ihrem" Kindergarten. Sie erspart
natürlich Kosten, soll aber vor allem dem Ziel dienen:
Gemeinsam mit den pädagogischen Mitarbeitern unseren Kindern
eine zeitgemäße und ihren Bedürfnissen
angepaßte Erziehung zu ermöglichen.
3. Ursprung unserer Pädagogik
Das pädagogische Geschehen in unserem Kindergarten
ist geprägt von der 1919 begründeten
Waldorfpädagogik. Sie beruht auf dem Menschenbild der
Anthroposophie Rudolf Steiners. Wir sehen im Kind nicht nur einen
biologischen Körper, sondern wir haben eine ganzheitliche
Sichtweise, in welcher wir jedes Kind weiterhin mit
Lebenskräften, einer Seele und einer einmaligen
Persönlichkeit begabt sehen. Durch die Grundlagen der
anthroposophischen Wissenschaft ist diese Sichtweise differenziert
beschrieben. Die genannten weiteren Teile des Menschen werden in der
anthroposophischen Terminologie Wesensglieder genannt. Sie haben ebenso
wie der biologische Körper ihre eigene Entwicklung und
bedürfen in der ganzheitlichen Erziehung ihrer Pflege und
Förderung. Im Kindergarten liegt alles Pädagogische
in der eigenen Verantwortung der Erzieher. Sie haben daher neben der
staatlichen Anerkennung eine besondere Ausbildung absolviert. Wir
Erzieher arbeiten selbstverantwortlich, haben aber als eigenes
Korrektiv durch regelmäßige Treffen Einbindung in
die Organe der Internationalen Vereinigung der
Waldorfkindergärten, sowie Fortbildungen und Supervisionen,
durch die ein Zusammenklang mit dem Grundanliegen der
Waldorfpädagogik gewährleistet wird.
3.1. Selbsterziehung der Erzieher
Der erste Arbeitsschwerpunkt der Waldorferzieher ist die
konsequente eigene Fortbildung. Damit versuchen wir, den
ständig sich im Lernprozeß befindlichen Kindern zu
entsprechen. Wir möchten als Erzieher durch tägliches
eigenes Studium in uns eine Haltung erzeugen, wo wir uns selbst als
Lernende und Werdende begreifen. Dadurch geben wir den Kindern ein
Vorbild vom Lernen-Wollen und mit uns selbst ein Beispiel von dem
Wunsch nach Ausarbeitung von Fähigkeiten. Wir
können durch unsere konsequente Arbeit an uns selbst unseren
Kindern als Begleiter ihres Lern- und Lebensweges beistehen.
3.2. Kindererziehung
Aus der Kenntnis des Menschenbildes der Anthroposophie ergibt sich
direkt eine Methodik, welche in jede pädagogische Handlung
hineinstrahlt. Dabei ist die Waldorfpädagogik nicht an ein
bestimmtes pädagogisches Vorgehen gebunden, sondern sie
„äußert" sich in der Qualität, im
methodischen - also dem Wie des Alltagsgeschehens.
Einzelne Schwerpunkte aus dem Gruppengeschehen mögen
exemplarisch die Ausgestaltungen dieses Wie illustrieren:
Wir gehen davon aus, daß sich unsere Kinder ihre
Basiskompetenzen auf dem Wege der Nachahmung erwerben. Darum gestalten
wir das Erlebnisfeld im Kindergarten so, daß die Kinder
sinnvolle und lebensechte Tätigkeiten der Erwachsenen vor
Augen haben. Beispielsweise bereiten wir unser
Frühstück im Gruppenraum zu, daß jedes Kind
zur Pflege seiner Sinne daran teilhaben kann. Zur
Unterstützung der "inneren Uhr" der Kinder - und damit ihrer
Lebenskräfte - ist der Tageslauf im Kindergarten rhythmisch
gegliedert: kreative Teile wie das Freispiel befinden sich im
lebendigen Wechsel mit Phasen, die einen geführten,
aufnehmenden Charakter haben. Mit einer besonderen Prägung
jedes Wochentages und dem aktiven Erleben der Jahreszeiten und der
christlichen Jahresfeste wird eine Einbindung auch in die
großen Lebensrhythmen möglich. Die gegliederte
Tagesstruktur ist ein wesentlicher Bestandteil der
pädagogischen Arbeit. Sie gibt besonders Kindern mit AD(H)S
den nötigen Halt und kommt allgemein dem kindlichen
Grundbedürfnis nach geordneten Abläufen entgegen.
Als einen weiteren pädagogischen Schwerpunkt sei der
tägliche Reigen genannt: Hier werden mit Liedern, Sing- und
Reigenspielen die Bewegungsentwicklung und damit zusammen die
Sprachentwicklung sowie die Körperwahrnehmung der Kinder
gefördert, wie sie dem kindlichen Bewußtsein
entspricht.
3.3. Die Arbeit mit den Eltern
Der dritte Arbeitsschwerpunkt der Waldorfpädagogik ist in der
Arbeit mit den Eltern zu sehen. Ein ernsthaftes Interesse der Eltern an
einer engen Zusammenarbeit mit den Erziehern im Sinne der
Waldorfpädagogik ist nicht nur erwünscht, sondern
Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes.
Begründet ist dies in unserer Erfahrung, daß
erzieherische Maßnahmen im Kindergarten auch im Elternhaus
zumindest volles Verständnis wenn nicht gar einen Anklang
finden müssen, um nicht vom Kind als widersprüchlich
erlebt zu werden.
Die Elternarbeit geschieht bei uns zu thematischen Elternabenden, wo
neben dem Organisatorischen auch immer gemeinsam an allgemeinen
pädagogischen Fragen gearbeitet wird. Ergänzend steht
den Eltern ein monatliches Informationsblatt zur Verfügung, in
dem Aktuelles - wie beispielsweise ein jahreszeitliches Fest -
angesprochen wird. Entsprechend der Nachfrage und
pädagogischen Notwendigkeit führen die Erzieher
ferner Hausbesuche durch oder stehen zu Gesprächen im
Kindergarten zur Verfügung.
4. Der äußere Rahmen
Unsere Gruppe hat [ Anzahl ] Kinder und ist altersgemischt. Wir
können Kinder von 2 Jahren bis zum Schuleintritt aufnehmen.
Unsere Kinder werden von [ Anzahl ] Erziehern mit [ dies und
jenem ] Stellenanteil betreut. [ Wir sind im Sinne des
Kita-Gesetzes eine Integrationsgruppe. Kinder, welche eine
entsprechende Zuordnung zu §§ 39, 40 BSHG bzw.
§ 35a SGB VIII haben, werden von einem Integrationserzieher
betreut.]
4.1. Öffnungszeiten
Der Kindergarten hat grundsätzlich von [ ] Uhr bis [ ] Uhr
geöffnet. Durch unseren rhythmisch gegliederten Tageslauf mit
einer pädagogischen Kernzeit am Vormittag ist es für
eine harmonische Integration der Kinder in die Gruppe notwendig,
daß sie bis spätestens [ ] Uhr abgegeben worden
sind. Und um den unruhigen Zustand des Abholens von Kindern nicht auf
den ganzen Nachmittag zu verteilen, ist eine erste Abholzeit um [
] Uhr nach dem Mittagessen verabredet, und dann erst wieder
nach dem Mittagsschlaf ab [ ] Uhr.
Die Schließtage des Kindergartens werden vom Vorstand bekannt
gegeben.
4.2. Essen und Trinken
[ Jedes Kind bringt täglich ein Stück Obst mit in den
Kindergarten. Dieses wird gemeinsam mit den Kindern für das
Frühstück zubereitet. Es gibt im Wechsel der
Wochentage selbstgebackene Brötchen, Hirsebrei, Milchreis und
Müsli. Zum Mittagessen ... Beschreibung ]
4.3. Aufnahme
[ Bei Interesse an einem Kindergartenplatz werden den Eltern
entsprechende Anmeldeformulare zugesendet. Sie dienen der
Datenverwaltung. Die interessierten Eltern werden zu
Informations-Elternabenden eingeladen und haben dann in
Gesprächen mit den Erziehern die Möglichkeit, Fragen
zu stellen und die Erzieher kennenzulernen... Beschreibung des
Aufnahmeverfahrens ]
Über die Aufnahme eines Kindes entscheiden die Erzieher. In
der Regel findet nur nach den Sommerferien eine mit den Eltern
abgesprochene und dem Kind individuell angepaßte
Eingewöhnungszeit statt.
4.4. Beiträge
Bei Aufnahme des Kindes in den Kindergarten sollte mindestens
ein Elternteil Mitglied im Verein werden. Der Vereins-Jahres-Beitrag
beträgt [ Betrag ] Euro und wird für
Beiträge zur Finanzierung der Internationalen Vereinigung der
Waldorfkindergärten benötigt.
5. Literatur / Formulare
[ Über den Kindergarten können die Anmeldeformulare,
unsere Vereins-Satzung, das Merkblatt gem. IfSG und natürlich
Informationen zum Kindergartenvertrag angefordert werden...
Sonstiges ]
Zum intensiveren Kennenlernen der Waldorfpädagogik empfehlen
wir die Broschüren "Recht auf Kindheit" herausgegeben von der
Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V.,
sowie das Heftchen "Plan und Praxis des Waldorfkindergartens" vom
Verlag Freies Geistesleben.
6. Schluß
Die folgenden Worte Rudolf Steiners möchten als ein Ziel unserer pädagogischen Arbeit gelten und dieses Konzept abschließen:
Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen,
In Liebe erziehen,
In Freiheit entlassen.
Berlin im März 2004 : Sebastian Knabe
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