Konzept für einen kleinen Waldorfkindergarten

BildIch schrieb dieses Konzept für einen kleinen eingruppigen Waldorfkindergarten in Berlin. Nach über zehn Jahren im Netz ist es inzwischen Grundlage vieler vieler Konzepte von Waldorfkindergärten geworden. Herzlichen Dank! Es freut mich, wenn durch meine Vorlage mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern geblieben ist. Gerne kann es auch weiterhin als Anregung dienen. Das Urheberrecht bleibt jedoch unberührt, Zitate sind bitte mit Quellenangaben zu versehen.

1. Vorwort

Dieses Konzept soll unseren Kindergarten beschreiben. Es macht sich zur Aufgabe dem bildsamen Wesen unserer Kinder gerecht zu werden. Darum versteht es sich nicht als statische Ordnung, sondern als Gedankensammlung, welche mit dem Fortlauf der Zeit weiterentwickelt werden muß.

2. Über uns

2.1. Wer sind wir
[ kurze Beschreibung: Gründungsgeschichte des Kindergartens / des Vereins, Namen, Jahreszahlen ]

2.2. Freie Trägerschaft
Die Trägerschaft des Kindergartens haben seine Eltern im Sinne einer Selbstverwaltung. Sie sind dafür organisiert im gemeinnützigen Verein [ vollständiger Vereinsname.eV ] Der Verein ist Mitglied in der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten sowie [ Dachverbände und Sonstiges.eV ]. Der Verein trifft sich mindestens einmal jährlich zur Mitgliederversammlung. Seine Organe sind der Vorstand, die Mitgliederversammlung und der Beraterkreis. Der Elternverein ist für den Kindergarten nicht nur eigenverantwortlich in der Verwaltung und Finanzierung tätig, sondern die Eltern erarbeiten gemeinschaftlich mit viel Engagement die Grundlage für die pädagogische Arbeit: Sie pflegen die Räumlichkeiten und das Gelände. Weiterhin helfen Sie durch verschiedene Ämter im alltäglichen Ablauf und auch bei der Gestaltung der Jahresfeste. Diese intensive Einbindung der Eltern schafft eine persönliche Beziehung zu "ihrem" Kindergarten. Sie erspart natürlich Kosten, soll aber vor allem dem Ziel dienen: Gemeinsam mit den pädagogischen Mitarbeitern unseren Kindern eine zeitgemäße und ihren Bedürfnissen angepaßte Erziehung zu ermöglichen.

3. Ursprung unserer Pädagogik

Das pädagogische Geschehen in unserem Kindergarten ist geprägt von der 1919 begründeten Waldorfpädagogik. Sie beruht auf dem Menschenbild der Anthroposophie Rudolf Steiners. Wir sehen im Kind nicht nur einen biologischen Körper, sondern wir haben eine ganzheitliche Sichtweise, in welcher wir jedes Kind weiterhin mit Lebenskräften, einer Seele und einer einmaligen Persönlichkeit begabt sehen. Durch die Grundlagen der anthroposophischen Wissenschaft ist diese Sichtweise differenziert beschrieben. Die genannten weiteren Teile des Menschen werden in der anthroposophischen Terminologie Wesensglieder genannt. Sie haben ebenso wie der biologische Körper ihre eigene Entwicklung und bedürfen in der ganzheitlichen Erziehung ihrer Pflege und Förderung. Im Kindergarten liegt alles Pädagogische in der eigenen Verantwortung der Erzieher. Sie haben daher neben der staatlichen Anerkennung eine besondere Ausbildung absolviert. Wir Erzieher arbeiten selbstverantwortlich, haben aber als eigenes Korrektiv durch regelmäßige Treffen Einbindung in die Organe der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten, sowie Fortbildungen und Supervisionen, durch die ein Zusammenklang mit dem Grundanliegen der Waldorfpädagogik gewährleistet wird.


3.1. Selbsterziehung der Erzieher
Der erste Arbeitsschwerpunkt der Waldorferzieher ist die konsequente eigene Fortbildung. Damit versuchen wir, den ständig sich im Lernprozeß befindlichen Kindern zu entsprechen. Wir möchten als Erzieher durch tägliches eigenes Studium in uns eine Haltung erzeugen, wo wir uns selbst als Lernende und Werdende begreifen. Dadurch geben wir den Kindern ein Vorbild vom Lernen-Wollen und mit uns selbst ein Beispiel von dem Wunsch nach Ausarbeitung von Fähigkeiten. Wir können durch unsere konsequente Arbeit an uns selbst unseren Kindern als Begleiter ihres Lern- und Lebensweges beistehen.

3.2. Kindererziehung
Aus der Kenntnis des Menschenbildes der Anthroposophie ergibt sich direkt eine Methodik, welche in jede pädagogische Handlung hineinstrahlt. Dabei ist die Waldorfpädagogik nicht an ein bestimmtes pädagogisches Vorgehen gebunden, sondern sie „äußert" sich in der Qualität, im methodischen - also dem Wie des Alltagsgeschehens. Einzelne Schwerpunkte aus dem Gruppengeschehen mögen exemplarisch die Ausgestaltungen dieses Wie illustrieren: Wir gehen davon aus, daß sich unsere Kinder ihre Basiskompetenzen auf dem Wege der Nachahmung erwerben. Darum gestalten wir das Erlebnisfeld im Kindergarten so, daß die Kinder sinnvolle und lebensechte Tätigkeiten der Erwachsenen vor Augen haben. Beispielsweise bereiten wir unser Frühstück im Gruppenraum zu, daß jedes Kind zur Pflege seiner Sinne daran teilhaben kann. Zur Unterstützung der "inneren Uhr" der Kinder - und damit ihrer Lebenskräfte - ist der Tageslauf im Kindergarten rhythmisch gegliedert: kreative Teile wie das Freispiel befinden sich im lebendigen Wechsel mit Phasen, die einen geführten, aufnehmenden Charakter haben. Mit einer besonderen Prägung jedes Wochentages und dem aktiven Erleben der Jahreszeiten und der christlichen Jahresfeste wird eine Einbindung auch in die großen Lebensrhythmen möglich. Die gegliederte Tagesstruktur ist ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Sie gibt besonders Kindern mit AD(H)S den nötigen Halt und kommt allgemein dem kindlichen Grundbedürfnis nach geordneten Abläufen entgegen. Als einen weiteren pädagogischen Schwerpunkt sei der tägliche Reigen genannt: Hier werden mit Liedern, Sing- und Reigenspielen die Bewegungsentwicklung und damit zusammen die Sprachentwicklung sowie die Körperwahrnehmung der Kinder gefördert, wie sie dem kindlichen Bewußtsein entspricht. 

3.3. Die Arbeit mit den Eltern
Der dritte Arbeitsschwerpunkt der Waldorfpädagogik ist in der Arbeit mit den Eltern zu sehen. Ein ernsthaftes Interesse der Eltern an einer engen Zusammenarbeit mit den Erziehern im Sinne der Waldorfpädagogik ist nicht nur erwünscht, sondern Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes. Begründet ist dies in unserer Erfahrung, daß erzieherische Maßnahmen im Kindergarten auch im Elternhaus zumindest volles Verständnis wenn nicht gar einen Anklang finden müssen, um nicht vom Kind als widersprüchlich erlebt zu werden. Die Elternarbeit geschieht bei uns zu thematischen Elternabenden, wo neben dem Organisatorischen auch immer gemeinsam an allgemeinen pädagogischen Fragen gearbeitet wird. Ergänzend steht den Eltern ein monatliches Informationsblatt zur Verfügung, in dem Aktuelles - wie beispielsweise ein jahreszeitliches Fest - angesprochen wird. Entsprechend der Nachfrage und pädagogischen Notwendigkeit führen die Erzieher ferner Hausbesuche durch oder stehen zu Gesprächen im Kindergarten zur Verfügung. 

4. Der äußere Rahmen 

Unsere Gruppe hat [ Anzahl ] Kinder und ist altersgemischt. Wir können Kinder von 2 Jahren bis zum Schuleintritt aufnehmen. Unsere Kinder werden von [ Anzahl ] Erziehern mit [ dies und jenem ] Stellenanteil betreut. [ Wir sind im Sinne des Kita-Gesetzes eine Integrationsgruppe. Kinder, welche eine entsprechende Zuordnung zu §§ 39, 40 BSHG bzw. § 35a SGB VIII haben, werden von einem Integrationserzieher betreut.]

4.1. Öffnungszeiten
Der Kindergarten hat grundsätzlich von [ ] Uhr bis [ ] Uhr geöffnet. Durch unseren rhythmisch gegliederten Tageslauf mit einer pädagogischen Kernzeit am Vormittag ist es für eine harmonische Integration der Kinder in die Gruppe notwendig, daß sie bis spätestens [ ] Uhr abgegeben worden sind. Und um den unruhigen Zustand des Abholens von Kindern nicht auf den ganzen Nachmittag zu verteilen, ist eine erste Abholzeit um [ ] Uhr nach dem Mittagessen verabredet, und dann erst wieder nach dem Mittagsschlaf ab [ ] Uhr. Die Schließtage des Kindergartens werden vom Vorstand bekannt gegeben. 

4.2. Essen und Trinken 
[ Jedes Kind bringt täglich ein Stück Obst mit in den Kindergarten. Dieses wird gemeinsam mit den Kindern für das Frühstück zubereitet. Es gibt im Wechsel der Wochentage selbstgebackene Brötchen, Hirsebrei, Milchreis und Müsli.  Zum Mittagessen  ... Beschreibung ]

4.3. Aufnahme 
[ Bei Interesse an einem Kindergartenplatz werden den Eltern entsprechende Anmeldeformulare zugesendet. Sie dienen der Datenverwaltung. Die interessierten Eltern werden zu Informations-Elternabenden eingeladen und haben dann in Gesprächen mit den Erziehern die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Erzieher kennenzulernen... Beschreibung des Aufnahmeverfahrens ] Über die Aufnahme eines Kindes entscheiden die Erzieher. In der Regel findet nur nach den Sommerferien eine mit den Eltern abgesprochene und dem Kind individuell angepaßte Eingewöhnungszeit statt.

4.4. Beiträge
Bei Aufnahme des Kindes in den Kindergarten sollte mindestens ein Elternteil Mitglied im Verein werden. Der Vereins-Jahres-Beitrag beträgt [ Betrag ] Euro und wird für Beiträge zur Finanzierung der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten benötigt.

5. Literatur / Formulare 

[ Über den Kindergarten können die Anmeldeformulare, unsere Vereins-Satzung, das Merkblatt gem. IfSG und natürlich Informationen zum Kindergartenvertrag angefordert werden...  Sonstiges  ]
Zum intensiveren Kennenlernen der Waldorfpädagogik empfehlen wir die Broschüren "Recht auf Kindheit" herausgegeben von der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V., sowie das Heftchen "Plan und Praxis des Waldorfkindergartens" vom Verlag Freies Geistesleben.

6. Schluß

Die folgenden Worte Rudolf Steiners möchten als ein Ziel unserer pädagogischen Arbeit gelten und dieses Konzept abschließen: 

Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen,
In Liebe erziehen,
In Freiheit entlassen.


   Berlin im März 2004 : Sebastian Knabe


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