Märchen als Nahrung für die Seele

Wenn wir so in unsere moderne Welt schauen, könnte man den Eindruck haben, daß Märchen einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Das wirkliche Leben jedenfalls spiegeln sie nicht wieder... Ja, das stimmt! Das wirkliche Leben hat mit den Märchen nichts zu tun. Das ist eigentlich schade, aber es ist nicht die Bestimmung der Märchen, aus dem Alltag zu berichten. Sie sind nämlich die Nahrung für unsere Seele.
Gerade für Kinder sind sie eine ganz wichtige Nahrung: sie erzählen von den elementaren Grundsätzen der Kultur von uns Menschen und bewegen beim Zuhören und Mitfühlen die Gefühle des Kindes. Das ist eine heilsame, tröstende und ordnende Erfahrung. Auch für Erwachsene ist das Hören von Märchen nicht nur entspannend, sondern kann uns an innerste eigene Hoffnungen und Wünsche erinnern.
Märchen regen zum träumen und nachdenken an und steigern die Kreativität erheblich. Ein Märchen zum Einschlafen ist wie Medizin gegen unruhige Nächte und sollte darum genau wie das Zähneputzen als tägliche Pflege der Seele zum Alltag gehören.

Flucht in die Traumwelt?

Sich Märchen zu erzählen - egal ob für Kinder oder Erwachsene - ist keine Flucht aus dem Alltag hinein in eine heile Welt. Wir haben ja alle schnell Sorgen, die Realität aus den Augen zu verlieren, wenn es zu viel um Märchen geht. Darum möchte ich daran erinnern, daß es die Welt der Märchen und Geschichten wirklich gibt - sie ist Teil unseres Lebens, unserer Träume und Hoffnungen. Manche Bilder der Märchen leben tief in unserem Unterbewußtsein und darum ist die Märchenwelt auch immer eine Begegnung und Erfahrung mit unserer eigenen Persönlichkeit.
Eine Flucht aus dem wirklichen Leben ist viel eher zu befürchten, wenn es um Versinken in Scheinwelten geht, wie sie durch facebook, whatsup usw. ermöglicht werden.

Zum Inhalt der Märchen: sind sie zu brutal?

Nein, gute Märchen wie die Grimms-Märchen sind nicht zu brutal. Es ist für Kinder vollkommen in Ordnung, wenn der Wolf die Großmutter frißt. Denn sie sehen es eben nicht situativ vor ihren Augen. Sie erleben die Geste des Inhaltes und das, was durch das Märchen als Lebenswahrheit und -Weisheit gesprochen wird. Es ist unsere Erwachsenenvorstellung, die Märchen brutal machen kann, z.B. indem wir uns vorstellen in Wirklichkeit (und nicht im Märchen!) würde ein Wolf eine alte Frau auffressen. Ich habe darum für die Hörbücher so vorgelesen, wie ich Märchen auch vorzulesen empfehle: ohne Interpretation aus der eigenen (realistischen) Vorstellung, denn es handelt sich nicht um den Bericht eines Vorfalls aus der Erwachsenenwelt.


Hier geht es zu meinen eigenen Märchenbüchern und natürlich lade ich herzlich ein, auch in die kostenlosen Hörbücher herein zu hören. Viel Freude bei der gesunden Seelennahrung!

Ihr Sebastian Knabe











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