Sebastian Knabe


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Früheinschulung in der Waldorfpädagogik

"Wir können sagen: Bis zum Zahnwechsel hin wird das Kind in seiner Eltern- und Familienumgebung seine nächste, naturgemäße Umgebung haben. Aber wir müssen nachkommen durch Kinderschulen, Spielschulen." Rudolf Steiner, GA 218, TB: S. 257

Die positive Seite

Durch die Früheinschulung sind die Bedürfnisse des Kindes vor der Einschulung und die Schulreife ein Schwerpunkt der pädagogischen Interessen geworden. In Waldorfeinrich- tungen hat die Früheinschulung für viel Gesprächsstoff gesorgt, denn die Lern- und Entwicklungsgeschwindigkeit unserer Kinder läßt sich nicht per Gesetz festlegen. Viele Waldorfschulen haben sich der Herausforderung gestellt und eine altersgemäße Umgebung im Rahmen der Schule geschaffen: die Eingangsklassen.
Die Erarbeitung von Leitlinien, Evaluationsprojekten und eine vertiefte Forschung auf diesem Gebiet haben zu einer großen Zahl von Verbesserungen für unsere Kinder geführt. So findet eine viel engere Zusammenarbeit von Kindergarten und Schulen statt. Durch die meist interdisziplinäre Betreuung der Kinder in den Schuleingangs-Klassen gibt es einen regen Austausch - und es entstehen für die Kinder "pädagogische Brücken" zwischen den beiden bisher stark getrennten Institutionen.
In den seit dem Schuljahr 2005/2006 eingerichteten Eingangsklassen kann die Begleitung zur Schulreife differenzierter stattfinden als beispielsweise im Rahmen einer altersgemischten Kindergartengruppe, welche in ihrem Angebots- und Anforderungsprofil auch zweijährigen Kindern gerecht werden muß. Die Altershomogenität der Schuleingangsklassen hat natürlich auch ihre Nachteile bei der Ausbildung einzelner Sozialkompetenzen.

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Vorbereitung auf die erste Klasse

Waldorf1 Es gibt unendlich viele Kriterien, nach denen man bewerten könnte, wie gesund und förderlich eine Umgebung außerhalb des Elternhauses für ein Kind ist. Wichtig ist natürlich in erster Linie die Beziehungssicherheit des Kindes zum Pädagogen, die Zeit für das eigene freie Lernen, und die Nachahmbarkeit der Angebote. Es ist für die gesunde Entwicklung des Kindes unerheblich, ob die altersgemäße Lernumgebung im Rahmen des Kindergartens oder der Schule bereitgestellt wird.

So schmerzlich der Verlust der Kindergartenumgebung zunächst wirkt, wird doch jedem Kind der Eingangsklasse ermöglicht, die eigene Schule noch vor dem Besuch der ersten Klasse kennenzulernen. Gerade bei etwas ängstlicheren Kindern kommt zur großen Spannung und Freude auf die erste Klasse kaum noch die typischen Anfangs-Sorgen hinzu: "Wie wird es werden? Wie streng ist alles? Was passiert, wenn ich mich verlaufe?" usw. Das Vertrauen in die Regeln und Abläufe des Schulorganismus kann ganz in Ruhe aus dem geschützten Rahmen der Eingangsklasse heraus wachsen.

Kinder aus der Eingangsklasse kennen einen Großteil ihrer zukünftigen Klassenkameraden, sie kennen natürlich den Schulhof, die Schulgebäude - und viele ihrer zukünftigen Wege (WC, Kantine, Spielplatz) können sie bereits sicher alleine gehen. Sie lernen ganz natürlich das Kollegium kennen, und wissen, daß man z.B. vor großen Schülern oder Lehrern keine Angst zu haben braucht.

Vorteile der Eingangsklasse

- Der pädagogische Schwerpunkt ist speziell dem Alter der Kinder angepaßt
- Die Kinder lernen ihre Schule vor der ersten Klasse kennen
- Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule findet eher statt
- Die Sozialstrukturen der Altersgleichheit können im kleinen Rahmen erprobt werden

Das schafft Sicherheit und gibt Eingangsklässlern die Möglichkeit, sich in der ersten Klasse von Anfang an auf den Unterrichtsinhalt konzentrieren zu können.

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Typische Sorgen und Befürchtungen aus Kindergartensicht

Die Früheinschulung findet durch die Schulgesetze der Länder statt. Aus Sicht der Kindergartenpädagogik ist sie pädagogisch unbegründet. Mit der Einführung der Früheinschulung sind darum viele Sorgen und Befürchtungen von der Seite der vorschulischen Pädagogik bekannt.

Sorge: Beispiele und Erklärungen:
"Verschulung" Hierzu gibt es eine weit verbreitete Stellungnahme vom Waldorfkindergartenseminar Stuttgart.
In den Eingangsklassen der Waldorfschulen findet diese "Verschulung" oder "Frühintellektualisierung" nicht statt. Eigene Erhebungen zeigen: die in der Waldorfpädagogik gewählten Unterrichtsformen in den Eingangsstufen sind auf das Alter der Kinder abgestimmt.
Altershomogenität Seit 2005 mußten staatliche Schulen z.B. in Berlin die flexible Schulanfangsphase einführen. Grundlage dieses Versuches ist die Altersmischung in den ersten beiden Schuljahren. Die "Flex" hat viel Kritik hervorgerufen - trotzdem kann es verwundern, wenn sich immer mehr Waldorfschulen entschließen, altershomogene Eingangsklassen vor der ersten Klasse einzurichten.
Die Altershomogenität vor der Schulreife ist nicht konzeptionell in der Waldorfpädagogik. Sie zeigt sich jedoch in der Praxis deutlich weniger problematisch als zunächst befürchtet. Denn jedes Kind durchlebt bis zur Schulreife seine eigene Entwicklung! Dadurch ist in den Eingangsklassen bzw. Brückenklassen ein breites Feld an Entwicklungsheterogenität gegeben, welches soziale Aspekte wie das gleichzeitige Lernen und Lehren zwischen den Kindern ausreichend ermöglicht.
Wechsel Durch die Früheinschulung ist der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ein Jahr früher - und darum schwerer vom Kind zu bewältigen. Jedoch findet zum sensiblen Beginn in der ersten Klasse kein zusätzlicher Institutionenwechsel statt, und die Kinder können sich auf den Unterrichtsinhalt freuen und konzentrieren.




Sebastian Knabe.

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